klein STADT ganz GROSS

 
     
 
 

??? Warum lebt man eigentlich in einer Kleinstadt? Weil man sich mit U-Bahnen ohnehin immer verfährt? Weil die Hundekacke sich dort auch auf Grünstreifen verteilt und nicht nur die Gehwege vollmanscht? Oder weil sich zwischen Demografiewandel und kleinkariertem Spießbürgertum einfach die witzigsten Situatiönchen ereignen? Ein Einblick in ein Kleinstadtleben mit kuriosen Kurzgeschichten, die sich mehr oder weniger regelmäßig erleben lassen...

 
 
     
 
Lustige Ausstellung

In einer Pop-Art-Ausstellung. Im Keith-Haring-Raum steht ein Jugendlicher fragend vor einem der Strichmännchen. Wie ist er nur hierher gekommen? Interessiert ihn das wirklich? Wie kommt er aus der Kunstnummer wieder raus? Er fühlt sich sichtlich unwohl und hat keine Ahnung, was er mit der lustigbunten Kunst anfangen soll. „Kuck mal, Malte“, sagt da sein Vater - ein Ü-40-Pädagoge mit Pullunder und Brille, „das hier ist lustig!“ Papi zeigt auf eine Keith-Haring-Figur, in deren Hirn lauter Kringel zu sehen sind. Der Junge schaut seinen Vater fragend an. Und eins verrät sein Blick: Er denkt alles mögliche über das Bild, nur nicht, dass es lustig ist...

29.MÄRZ 10
 
Dumbo-Beats

Verkaufsoffener Samstagabend. Mitten in der Innenstadt stehen sechs Jugendliche, denen der Migrationshintergrund ins Gesicht geschrieben steht. Die halbstarken Jungs, die doppelt stark tun, hören via Handy laute HipHop-Beats und prollen ein bisschen rum. Wenn sie nicht lauthals lachen, probieren sie ein paar Reime zu rappen. Von Bushido-Bösheit ist das aber weit entfernt: „Alter, deine Ohren sind dumbohaft!“

28.MÄRZ 10
 
Die Diva

Über das Pflaster der Fußgängerzone klackern ihre glänzenden Pumps. Den eleganten Mantel hat sie trotz Frühlingstempera-turen um die Schultern geschlungen. Und an ihrem Handgelenk baumelt eine üppig-schicke Handtasche. Am Ohr hat die Diva ein Mobiltelefon; der Gesprächspartner scheint viel zu erzählen, denn sie hört nur zu. Dann legt sie nach einem kurzen Wort des Abschieds auf. Und flucht mit kratzig-verrauchter Stimme: „Verdammte Kacke!“

24.MÄRZ 10
 
Bäckereifachangestellten-Humor

Es ist das letzte Stück Kirschkuchen, das unter der Glasscheibe in der Bäckerei-Auslage liegt. Ganz vorne. Möglichst weit weg von der Bäckereifachangestellten. „Das möchten Sie haben?“, fragt die höflich und legt sich beinahe in das Meer aus Puddingteilchen und Mohnschnecken. Aber so ganz erreicht sie es nicht. Es rutscht ihr vom Kuchenheber, fällt auf die Seite und die Kirschschicht rutscht in Richtung Glasscheibe. „Uups, dann haben wir jetzt wohl doch kein Stück Kirschkuchen mehr“, sagt sie bedauernd. Die Kundin, die zugibt, dass ihr das egal ist und sie es trotzdem kaufen möchte, beruhigt die Verkäuferin. Die schnappt sich das Stück in einem erneuten Kraftakt und schiebt es alles wieder zusammen, Schicht für Schicht. Daneben steht lächelnd eine übergewichtige Verkäuferin, die das Spektakel leicht amüsiert beobachtet. „Naja“, sagt sie, „es kommt ja auch viel mehr auf die inneren Werte an!“

21.MÄRZ 10
 
Ruck-sack

Ungewöhnliches Bild in der Mädchentoilette einer Charts-Proll-Disko. Wo sich vor dem Spiegel sonst blondierte Mädchen mit French Nails die Wimpern nachtuschen oder die ohnehin vollgepupste Luft mit Haarspray versauen, steht ein langhaariges Mädchen. Erst zieht sie sich vor dem Spiegel den Pulli aus. Dann das T-Shirt. Dann das Halstuch. Anschließend holt sie unter dem Waschbecken einen dicken Rucksack hervor, in den sie ihre Klamotten stopft. Angesprochen darauf, dass sie wohl das einzige Mädel mit Rucksack in dem Laden ist, sagt sie: „Na, mir ist diese Garderobe immer zu teuer.“ Nachdem sie also 5 Euro Eintritt und zig Euro Mindestverzehr gezahlt hat, spart sie nun einen Euro...

26.FEBRUAR 10
 
Aufklärung am Elternabend

Nach der Schule gehen zwei Teenies zusammen nach Hause. Sie erzählt ihm von ihrer Tante. Einer Lehrerin. „Und die hatte nach den Ferien so einen Jungen in ihrer Klasse, den sie gefragt hat, wie er heißt.“ - „Aha.“ - „Und der hat immer gesagt 'Üfüss'. Er heißt Üfüss. Ich meine, das musst du dir mal vorstellen! Der war dann ein halbes Jahr oder so in ihrer Klasse und sie hat immer Üfüss zu ihm gesagt. Und dann war mal Elternabend. Und dann fragt sie also seine Eltern, warum ihr Sohn so komisch heißt. Na und die sagen: 'Wieso? Ist Yves denn so ein merkwürdiger Name?'. Voll peinlich, ey. Da hieß der Yves und gar nicht Üfüss!“

14.FEBRUAR 10
 
Globale Körpererwärmung

Zwei Frauen stehen an der Ampel nebeneinander, blicken auf kniehohe Schnee-Berge. Sagt die eine: „Du, das ist irre. Als noch nicht so viel Schnee war, war es viel wärmer. Und jetzt, wo alles so lange schon weiß ist, friere ich total schnell.“ Sagt die andere: „Stimmt, geht mir genauso. Komisch eigentlich...“

11.JANUAR 10
 
„Richtig schööööön!“

Das mittelalte Paar ist nach dem romantischen Kinofilm mit Happyend vollends entzückt. „Ach, war das schön“, sagt sie zu ihm. Er lächelt. Und sie: „So ein schöner Film.“An der Kasse treffen die Beiden beim Herausgehen die Kinomitarbeiterin. Sie daraufhin zur Mitarbeiterin: „Also das war ja so ein schöner Film!“ Und er: „Ja, der war richtig schön.“ Die Mitarbeiterin freut sich, die Besucherin schwärmt weiter. „Also so einen schönen Film habe ich schon lange nicht gesehen.“Er lächelt seine begeisterte Frau an. „Richtig schön“, sagt sie.

8.JANUAR 10
 
Diese ganzen Leute...

Mitten ins nachweihnachtliche Getümmel eines Shopping-Samstags hat sich das Mitte-50-Paar geschleppt. Im völlig überfüllten Einkaufszentrum schaut sie im Buchladen noch nach Sonderangeboten, während er kopfschüttelnd auf die gut besuchten Rolltreppen blickt. „Das ist doch der Wahnsinn“, sagt er. „Was machen nur diese ganzen Leute hier?!“

27.DEZEMBER 09
 
Das Gedächtnis der Burschigen

Ihre blonde Kurzhaarfrisur, die ihren burschikosen Typ untermalt, hat sie mit einer Brille umrahmt. In der Hand hält sie einen Krug Bier und plauscht in der Kneipe mit ihrem Mann - Sorte: Karohemd in die Hose gesteckt, schwarze Lederschuhe, Kurzhaarfrisur. „Der Stefan will mit seiner Freundin übers Wochenende wegfahren“, erzählt der. „Welche Freundin hat er denn gerade?“, fragt die Burschige. „Na, diese Yvonne.“
- „Welche ist das?“ - „Du weißt schon, lange dunkle Haare...“ Doch auch das scheint ihr, die selbstbekennend nur drei Paar Schuhe besitzt (als Frau!) nichts zu sagen. Also fragt sie nach wirklich entscheidenden Kriterien: „Auto?“ - „Suzuki“ - „Ach so, diiiie. Die hat er noch...?“

6.NOVEMBER 09
 
Immer diese Science-Fiction-Filme!

Im Puppentheaterstück spricht Kasper zu Sepp: „Na dann, die Macht sei mit dir, mein Kumpel!“ Eine Mutter im Publikum ist begeistert. Sie scheint stolz, das Filmzitat erkannt zu haben, und raunt ihrem Mann zu: „Hast du gehört? Darth Vader lässt grüßen...“. Doch ihr Mann entgegnet nur besserwisserisch: „So ein Blödsinn, das war Frodo!“

4.NOVEMBER 09
 
Moonwalk mit Fluppe

Raucherpause vor dem Firmengebäude. Die jungen Auszubildenden stehen quarzend im Anzug unter dem Wolkenhimmel. Da fetzt plötzlich ein Klingelton durch die nikotinhaltige Auszeit: „Beat it“ von Michael Jackson im Realtone. Die Azubis ignorieren das. Nur einer kramt hektisch in seiner Weste: der 60-jährige Hausmeister...

24.OKTOBER 09
 
„Voll die Bitch“

Die etwa zwölfjährigen Jungs haben am Sonntagnachmittag ihre Fahrräder mit in die S-Bahn genommen und müssen nur eine Station weiterfahren. Also stehen sie direkt vor der Tür und bereiten sich darauf vor, möglichst schnell wieder aus dem Zug zu verschwinden, um keinem im Weg zu stehen. Als die Bahn hält, verknotet sich der Rucksack des einen Jungen am Fahrradsattel. Es dauert und dauert ein Weilchen, aber nicht wirklich lange. Inzwischen drängen zwei Gruppen Rentner von beiden Seiten an den Jungs vorbei, die dadurch nicht aussteigen können. „Unmöglich“, motzt eine Oma. „Ihr könnt doch nicht alles versperren!“ Dann quetscht sie sich zwischen Jungs und Fahrrädern vorbei, damit die sich noch weniger bewegen und Platz machen können. Dabei schubst sie ein Fahrrad um und die anderen wartenden Passagiere schauen ungläubig auf die drängelnde Frau. Da reißt auch dem einen Jungen der Geduldsfaden: „Ey, voll die Bitch“, schimpft er...

27. SEPTEMBER 09
 
Männergespräche...

Gleich um die Ecke ist ihre Schule; aber auf dem Weg zum Bus haben sie sich noch einmal auf die Gartenmauer gesetzt und reden. Über Mädchen. „Also ich mag sie schon sehr gern, echt. Aber mehr als so eine rein platonische Freundschaft kann ich mir gar nicht vorstellen“, sagt der eine. „Warum hast du sie dann geküsst?“, fragt der andere. „Na, da ist wohl die Leidenschaft einfach mit mir durchgegangen“, sagt der andere. Die Jungs sind höchstens 13...

4. SEPTEMBER 09
 
Der weiße Hund

Mitten auf dem Wochenmarkt sorgt lautes, wildes Hundebellen für Aufsehen. Zwei Radfahrer stellen ihre Räder ab und schauen sich das Treiben erst einmal an. Passanten drehen sich um. Rentner stellen ihre Einkaufstaschen auf das Pflaster und sehen zu. „Ruhig“, sagt das Herrchen zu seinem zotteligen weißen Hund, während der schwarze Schäferhund der Obdachlosen weiter wild kläfft. Gleichgültig sagt die obdachlose Besitzerin des Schäferhundes: „Tja, er mag halt keine weißen Hunde...“

2. SEPTEMBER 09
 
Gärtnerspiele

Ungeduldig wartend geht der Vater am Bürgersteig auf und ab. „Jungs, kommt ihr endlich?“, fragt er seine etwa vier und zwei Jahre alten Söhne, die an dem mit pflegeleichten Grünranken lieblos bepflanzten öffentlichen Beet stehen. Als der Kleine mit einem Stock auf die Pflanze einschlägt, packt ihn sein großer Bruder rabiat an: „Ey, hör jetzt mal auf, meinen Gemüsegarten zu zerstören, klar?“

29. AUGUST 09
 
Gespräche, an denen man lieber vorbeigeht

Nichtsahnend schlendert das etwa 20-jährige Mädchen am Freitagvormittag durch die Fußgängerzone. Nichtsahnend, wen sie gleich treffen, welches Gespräch sie führen muss. Da wird sie auch schon angesprochen: „Mensch, jetzt hätte ich dich beinahe gar nicht erkannt!“ - „Hiiii, was machst du denn hier, sag mal?“ Sie zögert, stehenzubleiben. Tut es dann aber doch. „Ach, ich war noch was erledigen.“ - „Und, erzähl: Wie geht’s dir? Was machst du jetzt so?“ - „Gut, mir geht es gut. Ich habe jetzt einen Job als Raumpflegerin.“ - „Oh schöööön, das ist ja super“, euphorisiert die andere. Und spätestens jetzt sieht sie ein: Manchmal ist es besser, einfach weiterzugehen.

14.AUGUST 09
 
Fertiggemacht

Im Supermarkt an der Kasse. Ein älterer Herr wartet an der Kasse darauf, dass ein Mitarbeiter einen Artikel für ihn umtauscht. Währenddessen legt eine junge Frau ihren Einkauf auf das Kassenband und kramt nach ihrem Portmonee. Sagt die Kassiererin zu dem älteren Herrn: „Moment, ich mache dann mal eben die junge Dame fertig.“

5.JUNI 09
 
Vorbilder

An der roten Fußgängerampel hält eine junge Familie mit ihren Fahrrädern. Als noch rot ist, flitzt ein Fußgänger über die gerade autofreie Straße. Sagt der in Helm und Knieschoner gepackte etwa sechsjährige Fahrradfahrer zu seinen Eltern: „Also ich warte ja grundsätzlich solange, bis Grün ist!“

19.MAI 09
 
Sonniges Gemüt

Mit lauter Mark-Medlock-Musik fährt der 3er BMW viel zu schnell durch die Tempo-30-Zone. Aber die Überdosis gute Laune ist rasant verflogen, als ihm ein Fiat Kombi entgegenkommt und keine Anstalten macht auszuweichen. Der Mark-Medlock-Fan lehnt sich aus dem Autofenster und brüllt aggressiv: „Ey, du Pisser, das war meine Vorfahrt!“ Der Fiat schaukelt seelenruhig vorbei – darin ein Ü-60-Bierbauch im geringelten T-Shirt.

17.MAI 09
 
Schreeeeiiiiiiiiii

Liederabend im Theater. „Danke, das war mal wieder echt ’n geiler Tag. Sagst nichts, und keiner fragt dich: Sag mal, willst du das?“ - als die junge Schauspielerin im Minikleid die Zeilen singt, haut der Siebenjährige mit Brille seinem Vater den Ellbogen in den Bauch. „Ey, Papa! Papa, hör mal: Das kenn ich, Papa! Das is’ Tokio Hotel“, jubelt er so, dass das halbe Theater den Song jetzt auch kennt. Und die Schauspielerin singt/brüllt: „Schreeeeiiii, auch wenn es weh tut!“

15.MAI 09
 
„Can I have your number?“

Abends im Supermarkt. Zwei weibliche Aushilfen haben sich in hässlich orangefarbenen Kittel an die Kasse gesetzt. Die eine zieht gerade den Einkauf zweier dauerzwinkernder Engländer über den Scanner. Als die zum Zahlen ihre EC-Karte hinhalten, fragt die Kassiererin schüchtern die andere: „Du, was heißt Unterschrift eigentlich auf Englisch?“ - „Unterschrift? Puh,das weiß ich aber auch nicht“, kichert die unsicher. Die Kassiererin zeigt also lieber nur mit dem Kugelschreiber auf die gestrichelte Linie, der Engländer tuschelt auf englisch mit seinem Kumpel und kritzelt etwas auf den Zettel. Dann zwinkern beide ein letztes Mal der Kassiererin zu, lächeln ihr schönstes Soldatenlächeln und gehen. Die Kassiererin ist immer noch ganz angetan, fummelt den Kassenbon zwischen die Geldscheine und kreischt plötzlich. „Was ist?“, fragt die andere. „Hier, guck mal, was er draufgeschrieben hat: Can I have your number!“ Versteht sie das?

13. MAI 09
 
Sprühen, Wischen, Sprühen, Wischen

Im Blaumann läuft der junge städtische Mitarbeiter durch die Straßen. In der Hand eine Sprühflasche, einen Lappen. Vor einem Parkscheinautomaten bleibt er stehen. Sprüht. Wischt. Sprüht. Wischt. Sprüht. Wischt. Ein Parker, der nur eben ein Ticket ziehen möchte, steht fragend neben ihm. „Was machen Sie denn da?“, wundert er sich. Der Blaumann schaut ihn verstört an: „Na, ich mache den Automaten sauber!“

24.APRIL 09
 
Milde Harmonie

Die Sonne scheint, die Mücken stechen, die Radwege sind voller Menschen und Fahrräder. Es riecht nach Frühlingsidyll. Auf einer Bank sitzen ein kleiner Junge und sein Vater unter je einem Fahrradhelm. Ein trauter, harmonischer Vater-Sohn-Nachmittagsausflug, wie es scheint. Der Kleine dreht sich zu seinem Vater, schürzt die Lippen und stürzt auf den Vater. Der erwidert nur barsch: „Nein, Tim. Nicht jetzt!“

20.APRIL 09
 
„Das ist doch dieser Kabarettist...?!“

Pressekonferenz für eine Reihe Kirchenkonzerte. Mit im Programm: eine Jazzsängerin, die Lieder von Paul Gerhardt neu arrangiert hat. Fragt der eine Journalist den anderen: „Paul Gerhardt – das ist doch dieser Kabarettist, oder?!“ Der andere Journalist flüstert leise etwas zurück von „Kirchenmusik“ und „nicht so witzig“. Darauf der erste: „Achso, na ja, ich bin Katholik.“

09.APRIL 09
 
Nackte auf Leinwand

Auf dem sonntäglichen Flohmarkt: Die meisten Verkäufer packen bereits ein, ein älterer Herr mit Hut und Steppjacke steht vor einem großformatigen Acrylgemälde, das eine nackte Frau zeigt. Da kommt ein anderer älterer Herr mit Heinz-Becker-Mütze und Weste an. „Na, sind ’se das nich’ losgeworden?“, fragt er. „Nee, bisher nicht“, sagt der andere. Darauf der Passant: „Na, kein Wunder - ist ja auch peinlich! Wer soll sich denn sowas hinhängen??“

07.APRIL 09
 
Hiesig – häää?

Im Büro: Zwei unsichere Schulpraktikantinnen haben den Auftrag, ein Telefonat zu führen, und tuscheln über den Gesprächsinhalt. „Du zuerst“, sagt die eine und lehnt sich halb entspannt zurück. „Hmmm... ich überlege gerade, was ich da sagen soll“, grübelt die andere im Flüsterton. „Ich glaube, ich sage: „Hallo, mein Name ist Janine von der hiesigen Tageszeitung.“ Darauf fragt die, die erst beim zweiten Auftrag dran ist: „Hiesig? Was heißt'n das?“ - „Hmmm“, zuckt die Mutigere mit den Schultern. „Müssen wir mal im Internet nachgucken.“ - „Na, aber das sagen die doch immer so, oder?“ - „Keine Ahnung. Und was soll das bedeuten?“ - „Ich glaube sowas wie hierzulande...“ - „Hierzulande? Ist ja genau so ein komisches Wort...“

20.FEBRUAR 09
 
1 - 2 - 3 - 4 - 5 - 4

Der Musikabend im Schauspielhaus ist laut. Sehr laut. Als zum Schlussapplaus neben den Sängern und Schauspielern auch die Musiker an den Bühnenrand treten, ist die ältere Dame aber sehr überrascht: Es sind nur fünf. „Huch“, sagt sie zu ihrem Mann, „das sind ja nur vier!“

17.FEBRUAR 09
 
Alles bleibt offen

Im Bus, der Berufspendler in ihre Heimatdörfer chauffiert, unterhalten sich zwei Rentner im besten Alter über alles, was sie interessiert: Butterbrote zum Mittagessen, hohe Benzinpreise. Der eine blickt durch die Scheibe nach draußen, wo es dunkel ist, trüb und voller Schnee. „Hast du gehört, wie's werden soll?“, fragt er den anderen nach den Wetteraussichten. „Naja, Hauptsache es bleibt offen.“

15.FEBRUAR 09
 
Das Vorspiel

Das Kammerorchester auf der Bühne spielt seine Instrumente ein. Über Geigen- und Bratschensaiten ziehen die Musiker die Bögen, der Pianist klimpert sich warm. Ein älteres Ehepaar kommentiert: „Aha, das nennt man jetzt also das Vorspiel!“

12.FEBRUAR 09
 
Zuschauerruf

Die Theatervorstellung ist nicht gerade das, was man eine spannungsreiche Inszenierung nennen darf. Im Zuschauerraum auf den wenigen besetzten Plätzen Anhänger der Grauen Panther, schick mit Brosche an der Bluse und akkurat gelegter Fönwelle. Ein Raunen geht durchs Publikum, als plötzlich ein nackter Mann über die Bühne läuft – vom Rand nach hinten. Seine Pobacken beben vermutlich ähnlich stark wie die erschorckenen Herzen im Zuschauerraum. Und auf einmal wird eine Seniorin mutig: „Uuuumdreeeeehen!“, ruft sie laut. Gelächter im Saal. Der Schauspieler dreht sich wenig später um, weil seine Rolle das erfordert. Die Zuschauerin spricht etwas zu laut zu ihrer Sitznachbarin: „Ach, der ist ja nicht einmal behaart am Sack!“

30.JANUAR 09
 
Das größere Problem...

„Juuuhh aah bigga dänn mei Probblemms...“, jault unverhofft laut eine in einen weißen Anorak gekleidete 17-Jährige, die morgens um 9 Uhr über die Bürgersteige tourt. „Juuuuuh aaaaah“, wird sie immer lauter und schriller. Passanten stehen, gucken, staunen. Das Mädchen aber reagiert nicht, singt weiter und ist dank iPod wenigstens für ein bisschen Entertainment gut. Kurz darauf ist sie verschwunden. In eine Apotheke.

15.JANUAR 09
 
Zum Friseur gerollt

Der Friseur wirbt mit großen Schriftzügen auf den Fensterscheiben: „Super Farbe! Super Style! Super Trend!“ Vor der Tür zumindest parken zwei Rollatoren.

3.JANNUAR 09
 
 
     
   
     
 

 

 

 

 

 

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