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Strahlend
gelb leuchtet er in der prallen Sonne und sieht nicht so aus,
als wäre er wegen Überfüllung geschlossen:
der einzige Briefkasten auf der nordfriesischen Hallig Nordstrandischmoor.
Viel hat der Postbote hier, draußen im Wattenmeer, nicht
zu tun. Die nächste Leerung ist tideabhängig - ist
das Wasser zu hoch, kommt ohnehin niemand auf die 175 Hektar
große Grünfläche mitten im Meer. Ist es zu
niedrig, verbinden nur die kleinen mit Diesel betriebenen
Waggons über den Lorendamm die Hallig mit dem Beltringharder
Koog. Und die Fähre, die hier regelmäßig Wattwanderer
wieder einsammelt, kann sich schon mal mehrere Stunden verspäten,
weil der Wasserstand zu niedrig ist.
„Zurzeit
haben wir Ostwind“, sagt Nationalparkführerin Hilde Erichsen,
die sich mit ihrer Gruppe von Wattwanderern unter den Sonnenschirmen
des „Halligkrogs“gedulden muss – „das Wasser läuft dadurch
zwar auf, ist aber 30 Zentimeter niedriger als normal.“Also
erteilt sie ihren Wanderern eine Lektion in dem, was hier
ohnehin lebenswichtig ist: abwarten, Pharisäer trinken
und die Natur genießen. Das Leben und der Tagesablauf
auf Nordstrandischmoor richten sich nur nach einem: den Gezeiten.
Fünf
Familien leben auf den vier Warften, den grünen Hügeln,
die bei Hochwasser noch aus dem Meer schauen. Und die bei
Sturmflut schon einmal nahezu verschwinden können. Wer
es gern dramatisch mag, der wird auf der Neuwarft im Osten
der Hallig fündig: Die Scheune der Familie Glienke ist
ein umfunktionierter Kinosaal. In angenehmer Kühle und
zwischen urigen Exponaten aus der Hallighistorie läuft
hier ein Kurzfilm, der von den Sturmfluten auf der Hallig
erzählt. Als „Traum im Meer“ bezeichnen die Halligbewohner
ihr grünes Paradies. Wer hier verweilt, der erfährt
warum. Neben dem Blöken der Schafe gastieren auf der
Hallig im Sommer dutzende Kühe, die den Winter auf dem
Festland verbringen. Nebenbei lassen sich diverse Naturspektakel
beobachten: Im Frühjahr gastieren Schwärme von Ringelgänsen
auf den Wiesen, andere Zugvögel machen Rast und Lämmer
tollen über den einzigen asphaltieren Weg, den die Halligbewohner
„Straße“nennen, obwohl hier auf drei Kilometern Länge
nur wenige Traktoren und Zweiräder fahren. Im Hochsommer
färbt der Halligflieder die Wiesen violett, im Herbst
zeigen sich die Salzwiesen ganz in Gelbtönen, während
im Winter das Wetter mit „Landunter“ und Sturmfluten die Regie
übernimmt. „Das ist kein Grund zur Sorge, jedes Haus
hier hat einen Bunker im ersten Stock, der vor Sturmflut schützt“,
weiß Hilde Erichsen. Bäume übrigens gibt es
auf Nordstrandischmoor kaum – der Boden ist für sie zu
salzig.
20
Einwohner hat die Hallig, darunter drei Schüler, die
vom Lehrer in der eigenen Schule unterrichtet werden – auch
der Kindergarten ist hier integriert. Der Altersdurchschnitt
liegt bei 43 Jahren. Ferienwohnungen laden zum Urlaub in der
Abgeschiedenheit ein - und der „Halligkrog“gibt es immer frischen
Kaffee und Apfelkuchen, wenn Hilde Erichsen auf dem Weg nach
Nordstrandischmoor bei Glienkes anruft.
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