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| Fallende
Schimpfwörter |
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Der Regisseurin gefällt die eine Szene noch nicht, die Schauspieler
überlegen. „Wie drückt ihr aus, dass ihr Morgenmuffel
seid?“, fragt die Regisseurin. „Hmmm... es fallen Schimpfworte?“,
fragt die Nachwuchsschauspielerin unsicher. Sagt ein Kollege, der
im Zuschauerraum sitzt: „Plumps.“
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12.DEZEMBER
07
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| Mit
oder ohne? |
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Weihnachtsmarkt und drangvolle Enge in der ohnehin engen Fußgängerzone.
Am Glühweinstand bestellt ein Vater für sich und sein
Kind bewusst zwei Becher Kinderpunsch. Fragt die Verkäuferin:
„Mit oder ohne Alkohol?“
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10.DEZEMBER
07
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| Immer
diese Doppelnamen! |
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Inmitten extrem auffällig oder auffällig unauffällig
gekleideter Künstler steht bei der Vernissage ein Grüppchen
Politiker und Repräsentanten. Während die Gespräche
überall von der „eindeutigen Fomsprache“, der „hintergründigen
Mischtechnik“ und der „prägnanten Handschrift“ handeln, spricht
dieser Kreis über etwas völlig anderes. „Also dass diese
Künstlerinnen immer Doppelnamen haben müssen...“, sagt
die eine Rollkragenpulloverträgerin ungläubig. „Die kann
man sich doch noch weniger merken als normale Namen!“
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7.DEZEMBER
07
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| „So
schön kann doch kein Mann sein“ |
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Bei Eiseskälte stehen die Handwerker auf dem Baugerüst.
In dicken Pullis, mit gefütterten Schutzwesten darüber
und Helm auf dem Kopf mauern sie unentwegt den Neubau in die Höhe.
Dazu läuft - zur Motivation - das kleine Kofferradio, das das
ganze Viertel lautstark mit guter-Laune-Musik beschallt. Es dudelt:
„So schön kann doch kein Mann sein...“
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29.NOVEMBER
07
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| „Neeeein,
nicht aus Langeweile!“ |
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An der Supermarktkasse kommen sie ins Gespräch: der Junkie
und der barmherzige Neugierige. „Ey, ich bin seit zehn Jahren drauf“,
sagt der Junkie, „seit zehn Jahren bin ich drauf.“ Fragt der andere:
„Warum denn? Aus Langeweile?“ Antwortet der Junkie: „Neeeeee, weißte,
ich saß einfach so zuhause rum, hatte nichts zu tun. Da bin
ich drauf gekommen. Und jetzt bin ich schon seit zehn Jahren drauf!“
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28.NOVEMBER
07
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| Erbseneintopf
mit Daumen |
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Auf dem Wochenmarkt. Ein rüstiger Rentner in Steppjacke und
Jeans trägt zwei Teller mit dampfendem Erbseneintopf und schaut
schon freudig auf sein Mittagessen. „Schau mal: gutes deutsches
Essen“, ruft er einem Bekannten zu. Darauf der: „Mensch Walter,
pass auf, gleich sind deine Daumen auch gar!“
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31.OKTOBER
07
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| Was?
Saumagen? |
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Konzert eines hawaiianischen modern-folk-Sängers. Zu einem
Song holt er die niedlich magersüchtige Sängerin Abby
auf die Bühne, die sich eine monströse Gitarre umhängt.
Während sie die Saiten stimmt, haucht sie Brocken deutscher
Sprache ins Mikrofon. „Hallo, isch liebe disch“, geht's los. Dann:
„Isch mag Saumagen, die ist lecker.“ Ein Konzertbesucher fragt seinen
Freund voller Unverständnis: „Wie jetzt? Was hat die gesagt?“
- „Sie mag Saumagen.“ - „Sie mag was? Saumagen?“ - „Ja, Saumagen.
Das ist so ein Essen.“ - „Wie, das kann man essen? Das ist dann
quasi der Magen vom Schwein? Wie kann man das essen?“ - „Naja, der
Magen von der Sau eben“, sagt der Freund, „aber wie kann man das
mögen?“
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25.OKTOBER
07
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| Zu
alt für die Disko |
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An der Supermarktkasse: Die ältere Dame, weißhaarig und
in ergrautem Violett gekleidet, zahlt nicht 2,97 Euro, sondern gibt
3 Euro. „Stimmt so“, sagt sie, „dann haben Sie was für die
Disko.“ Sie mustert den Kassierer, etwa Ende 20, von der monotonen
Arbeit gelangweilt, zwar freundlich, aber nie lächelnd. „Oder
sind Sie dafür schon zu alt?“, fragt sie. „Naja...“, grummelt
er.
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23.OKTOBER
07
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| Falsche
Adresse |
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Das Telefon klingelt. Die Stimme einer anscheinend völlig überdrehten
Frau meldet sich. Schon letzte Woche hatte sie angerufen und eine
wichtige Pressemitteilung schicken wollen, die aber ein ganz anderer
Adressat hätte bekommen müssen. „Ja, schönen guten
Tag, hier ist Sabine Soundso von Soundso Communications, der Presseagentur
für das Musical Soundso“, beginnt sie mit einem hörbaren
Lächeln auf den Lippen ihren Monolog. „Wir hatten ja bereits
letzte Woche telefoniert. Und heute rufe ich an, um Ihnen mitzuteilen,
dass Sie tatsächlich nicht meine richtige Ansprechpartnerin
sind.“ - „Das habe ich Ihnen ja schon gesagt....“ Sie unterbricht:
„Ja, aber inzwischen habe ich es selbst herausgefunden und werde
mich jetzt an Frau Schulze wenden, denn die ist laut Herrn Möller
aus Ihrem Haus die richtige Kontaktperson.“ - „Äähhm,
ja. Das habe ich Ihnen ja auch letzte Woche schon gesagt.“
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22.OKTOBER
07
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| Und
die Sadisten? |
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Eine Schülergruppe sitzt wartend im Theater. Die Jungen, schätzungsweise
um die 17 Jahre alt, unterhalten sich angeregt über verschiedene
Religionen: Buddhisten, Christen... Fragt der eine: „Und an was
glauben noch mal Sadisten?“
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18.OKTOBER
07
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| Kleine
Hose, große Aufregung |
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Mann und Frau Anfang 30 sitzen sich gegenüber und unterhalten
sich über Arbeitskollegen. Es geht um Stefan. Sie holt aus:
„Also dass der seine Anzughosen immer hochkrempelt! Ich meine, ja,
er ist klein. Aber kann der das nicht mal passend kaufen? Ich achte
sonst ja nicht auf Äußerlichkeiten, aber trotzdem, das
stört mich extrem.“
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12.OKTOBER
07
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| Besser
eine erregte Bekannte... |
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Ein Bistro in Hannovers Nordstadt. Es ist 12.20 Uhr. Innerhalb kürzester
Zeit stürmt eine Horde beanzugter Männer den Laden, um
Mittagspause zu machen. An einem Zweiertisch sitzt einer im Karohemd,
ihm gegenüber eine offensichtlich alte Bekannte, mit der er
sich überschwenglich gutgelaunt unterhält. Ein zweiter
Mann kommt an den Tisch, stellt sich ihr vor, will ihr die Hand
geben. „Oh nein, lieber nicht“, sagt sie und beginnt zu näseln.
„Ich habe eine Erkältung“, klagt sie. Darauf der im Karohemd:
„Wie sagt man so schön? Besser eine erregte Bekannte als einen
bekannten Erreger.“ Brüller: Sie wirft sich fast vom Stuhl
vor aufgesetztem Gackern.
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12.OKTOBER
07
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| Schon
wieder der Hundertwasser |
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Wieder im Wartezimmer. Das Hundertwasser-Haus hängt immer noch
an der Wand. Der 13-Jährige in Diesel-Sweatshirt und fetten
Turnschuhen schaut fragend das Foto an. „Ich verstehe diese Bilder
hier nicht“, sagt er. Darauf seine Mutter: „Warum? Das ist das Hundertwasser-Haus,
da waren wir doch. Das ist in Wien.“ Der Sohn schüttelt den
Kopf. „Gehört das dem Arzt?“ - „Was? Das Haus? Nein!“ - „Und
warum hängt das dann hier?“ - „Na, weil er es schön findet.
Das Haus gehört doch dem Hundertwasser. Das ist ein Architekt.“
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8.OKTOBER
07
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| „Ausrasten!“ |
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Punkkonzert mit einer Horde pöbelnder Irokesenträger und
Mädels in Lack und natürlich absichtlich aufgeschnittenen
Strumpfhosen. Die Band auf der Bühne schrammelt auf den Gitarren,
singt unverständliche Texte auf Deutsch und der Sänger
ruft immer wieder „Ausrasten!“ Dann meint er, eine kleine Ansprache
halten zu müssen, und sagt: „Ich find’s echt super, dass ihr
hier seid. Jetzt zeigen wir denen allen mal, dass wir Punks nicht
dumm sind.“ Vor der Bühne schwenken die Schnapsleichen, die
noch stehen können, ihre Flasche. Einige stolpern, liegen schlafend
in der Ecke. Dann ruft der Sänger wieder „Ausrasten!“
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29.SEPTEMBER
07
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| wie
immer im grünen Pullover... |
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Vernissage in der städtischen Galerie. Die Vorsitzende hält
in türkisfarbener Strumpfhose und lilafarbenem Kleid eine kleine
Rede. „Ja, da ist auch der Herr Müller anwesend. Daran zu erkennen,
dass er immer einen grünen Pullover trägt...“
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28.SEPTEMBER
07
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| „Wir
sind hier nicht beim Zahnarzt!“ |
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Immer noch im Wartezimmer eines HNO-Arztes. Die über 60-Jährige
ist mit ihrer Mutter da, die verzweifelt nach ihrer Handtasche sucht
und immer wieder die ihrer Tochter greift. „Mutti, das ist meine
Tasche. Deine haben wir doch zuhause gelassen!“ Die Mutter nickt.
„Ach ja.“ Dann schaut sie erschrocken: „Ich habe mir gar nicht die
Zähne geputzt“, sagt sie. „Macht nichts, Mutti, wir sind hier
nicht beim Zahnarzt.“ - „Achso... naja, ich werde ja auch schon
100“, sagt sie. Und seufzt. „Nein, Mutti, du wirst 98“, sagt die
Tochter. Und seufzt.
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20.SEPTEMBER
07
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| Na,
der Hundertwasser! |
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Im Wartezimmer eines HNO-Arztes. Er, Mitte 60, Fuß in Gips
und unglaublich gebildet, deutet neben seiner Frau auf eines der
Bilder, das die Wände des Wartezimmers schmückt. Es zeigt
das Hundertwasserhaus in Wien. „Hier, schön, wa? Das ist der
Bahnhof von Hundertwasser. In Magdeburg.“ Darauf sie: „Von wem?“
Und er blüht ganz auf in seiner Rolle als belehrender, kluger
Ehemann. „Na Hundertwasser. Das ist ein bedeutender deutscher Architekt.
Kennst doch, Schatz, oder?“
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20.SEPTEMBER
07
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| Da
macht man was mit... |
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Die Schweizerin Margarete lebt in Norwegen als Reiseführerin.
Bei der Besteigung des Torghatten halten ihr zwei Rundfunkjournalisten
ein Mikrofon vor den Mund. „ach, meine Tochter arbeitet auch so
etwas. Da musste ich neulich bei einem ihrer Dokumentarfilme das
Mikrofon halten. Da macht man vielleicht was mit, wenn man Kinder
hat“, flötet sie.
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10.SEPTEMBER
07
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| Sonnenklar |
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Auf einem Hurtigruten-Schiff in Norwegen nahe des Polarkreises,
7 Uhr am Morgen. Die Sonne steht schon hoch am Himmel. Übernächtigt
fragt sie einen Senior-Passagier, warum die Sonne schon so weit
oben steht. „Oh...“, beginnt er stotternd auf Englisch, „it comes
from the east and goes down in the west.“
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8.SEPTEMBER
07
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| Creme
schadet wohl nie |
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Trotz Elektronikverbot im Flieger hört das magersüchtige
Model laut Tool - so laut, dass sie die Stimmen der Stewardessen
eben nicht mehr hört. Sie schreibt Liebesbriefe auf dänisch,
liest die übersetzte Marilyn Manson-Biografie. Und kurz vor
der Landung pudert sie ihr Gesicht nach und holt Creme aus der goldenen
Tasche. Damit cremt sie in aller Ruhe ihre schlecht lackierten Fingernägel
ein...
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7.SEPTEMBER
07
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| Dass
aus Dir mal was wird! |
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Gespräch am Flughafen Hamburg. Ein Arbeiter weist einen Praktikanten
ein. „Wir wollen doch, dass aus Dir mal was wird“, sagt der Vorarbeiter.
Der Praktikant winkt ab. „Ich werde mich selbständig machen,
nach der Schule“, sagt er total euphorisiert. Der Arbeiter klingt
wenig begeistert: „Aha....“
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7.SEPTEMBER
07
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| Von
der ganz schnellen Sorte |
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In Zeitlupentempo bewegen sich eine Pflegerin und zwei ältere
Damen durch den Stadtpark. Die Pflegerin hat beide untergehakt –
die eine geht am Rollator, die andere kämpft mit ihren Krücken.
Dann beginnt es plötzlich zu regnen. „Auch das noch..“, sagt
die eine Grauhaarige. Darauf die optimistische Pflegerin: „Ach,
Frau Hoffmann, das schockt uns doch nicht! Wir sind doch von der
ganz schnellen Sorte!“
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15.AUGUST
07
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| Immer
dieses Gefussel |
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Im französischen musee des beaux artes besucht das Paar aus
Bad Kreuznach die Kunstausstellung über das Werk des Surrealisten
Yves Tanguy. Mit verschränkten Armen passieren sie einen Ausstellungsraum
nahc dem nächsten. „Ein durchgängiges Motiv ist da nicht
zu erkennen“, urteilt die Frau wenig begeistert. „Doch“, sagt ihr
Mann im Diakonie-T-Shirt: „da ist immer so ein Gefussel...“
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4.AUGUST
07
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| Erst
der Affe |
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Ein Campingplatz in Nordfrankreich. Die junge Mutter kämpft
mit ihrer eigensinnigen Tochter im Waschraum, das Mädchen ist
höchstens fünf Jahre alt, hat aber eine ausgeprägte
eigene Meinung. „Nee Mama, ich mach schon“, korrigiert es seine
Mutter sogar beim Zähneputzen. Dann geht sie erwachsen mit
„Kandoo“ auf die Toilette - allein natürlich. Als sie wieder
rauskommt, sagt die Mutter: „So, und gleich geht’s ins Bett.“ Die
Kleine schüttelt vehement den Kopf. „Nö, gleich spiele
ich erst Playmobil. Mit meinem Affen, das weißt du dich aber
schon.“
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28.JULI
07
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| Lernst
du noch...? |
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Examensfeierstunde in der Uni. Wie damals zum Abi haben sich einige
staatlich geprüfte Pädagoginnen T-Shirts bedrucken lassen.
„Lernst du noch oder lebst du schon?“, steht da in großen
Buchstaben, dass es die halbe Aula sehen kann. Vom lebenslangen
Lernen haben die armen Studenten wohl nichts gelernt...
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20.JULI
07
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| Probier’s
mal mit Gemütlichkeit |
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Mit gefalteten Händen steht er auf der Verkehrsinsel und wartet
geduldig darauf, dass die Fußgängerampel Grün anzeigt.
Als sie dies endlich tut, setzt er gemächlich zum Überqueren
der Straße an. Mit seiner Figur, die mit ihren männlichen
Brüsten und wallenden Rundungen sehr nach Bequemlichkeit aussieht.
Auf seinem babyblauen T-Shirt steht jedoch was anderes: „Wir sind
die Schüler, vor denen uns unsere Eltern immer gewarnt haben“.
Rebellion durch Gemütlichkeit?
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20.JULI
07
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| Deutsche
Sprache... |
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Man sollte meinen, wer einen Zeitungsartikel schreibt, beherrscht
zumindest größtenteils die deutsche Sprache und hegt
mit seinem öffentlichen Informationsauftrag und der berühmten
journalistischen Neutralität auch keinerlei Vorurteile. Über
ein Hip-Hop-Konzert schreibt ein Journalist folgenden Satz: „Die
Farbigen Sänger rappten großartig ihre deutsche Texte“.
Aha...
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19.JULI
07
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| Integration
mal anders |
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Die Mutter mit Migrationshintergrund und Kinderkarre steht in einem
Fußgängertunnel. An der Wand: großformatige Graffitis.
Das eine zeigt ein Männergesicht, das Bin Laden zum Verwechseln
ähnlich sieht. Der knapp zweijährige Sohn steht davor,
schlägt auf die Wand und schreit laut: „Iiiiiiiiiiieeeeh!“
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18.JULI
07
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| Nieder
mit der Emanzipation! |
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Der Besuch beim Frisör bietet jederzeit eine gute Gelegenheit,
sich darüber zu informieren, was andere Frauen so denken, während
ihnen eine Wasserwelle ins ergraute Haar gezaubert wird. So sagt
die 60plus-Kundin
zu ihrer Friseurin: „Gott, zum Glück habe ich kein Auto mehr.
Ich wusste auch nur, wo ich Bremse, Kupplung und Lenkrad finde...“
Friseurin, während sie fönt, brüllt: „Ja klar, mehr
muss eine Frau ja auch nicht wissen!“
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17.JULI
07
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| Sport
als Schwerstarbeit |
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22 Uhr im Café. Vier Studenten sitzen an einem Tisch - drei
Cola schlürfende Jungs und ein Mädchen, das ausschließlich
Wasser trinkt. Sie unterhalten sich über ihre Ferienjobs. Der
eine sitzt im Supermarkt an der Kasse, der andere hilft bei einer
Inventur. „Ich muss dann jetzt auch los, morgen um 7 Uhr geht's
los“, sagt der eine. Die anderen pflichten ihm bei und betonen schnell
noch die Wichtigkeit ihrer Arbeit und dass auch sie nun langsam
schlafen gehen müssten. Darauf das Mädchen: „Puh, ich
muss auch ins Bett. Wenn ich beim Joggen morgen früh nicht
total zerfließen möchte, muss ich um halb 7 loslaufen.“
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16.JULI
07
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| Heavy
Brot |
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Das kleine Mädchen und die Mutter laufen durch die Stadt. „Komm,
wir rennen jetzt. Ich bin ja viel schneller als du“, ruft die Vierjährige
und prescht los. Die Mutter schaltet zwar vom Schlendern einen Gang
rauf, kommt aber längst nicht an ihre Tochter heran. „Los,
komm!“, ruft die übermütig. „Nein, ich kann nicht“, sagt
die Mutter, „meine Tasche ist so schwer, da sind doch die Brötchen
drin!“
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10.JULI
07
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| Das
also schafft Live Earth |
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Tagelang wurde diskutiert, inwiefern Popkonzerte ein Umweltbewusstsein
schaffen oder verändern können. Mitten auf dem Rathausplatz
steht ein Golf 4 mit laufendem Motor. Ein Fahrer ist weit und breit
nicht zu sehen...
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9.JULI
07
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| Harte
Nacht |
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Zwei vierzehnjährige Jungs in schwarzen „Ramones“-Shirts gehen
langsam von ihrer Schule in Richtung Innenstadt. Beide sehen unheimlich
schlapp, erschöpft und einfach nur fertig aus. „Das war aber
auch die ultimative Nacht“, sagt der eine erledigt.
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4.JULI
07
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| Ein
geiler Bock... |
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Bauarbeiten im schwülheißen Spätfrühling. Der
Arbeiter, etwa Mitte 50 mit mehr Platte als Haaren auf dem Kopf,
krempelt seine Latzhose bis zum Unterhosenbund herunter. Auf dem
Rücken: Fettpolster. Vorne: eine haarige Brust. Auf dem Bürgersteig
nebenan gehen zwei Schülerinnen vorbei. „Wuuuuuuuuhuuuuu“,
gröhlt die eine. Die andere ruft zu ihm
herüber: „Na, du geiler Bock..?!“
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22.MAI
07
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| „Tschüss,
Papa!“ |
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7.44 Uhr in einer Seitenstraße. Eine der zehn dicksten Mercedes-Limousinen
der Stadt hält am Bürgersteig. Der Fahrer, ein in Anzug
gestriegelter Mittvierziger, steigt aus und geht zur Beifahrertür.
Sie öffnet sich. Aus dem Wagen krabbelt einer der zehn schäbigsten
Punks der Stadt: blondierte, schmierige Haare, dicke Ketten an der
Hose, Springerstiefel und Army-Hose. „Tschüss Papa“, sagt er.
Steigt an der Fahrertür ein und fährt weg.
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20.MAI
07
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| Das
andere Schleudertrauma |
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„Mensch, mir geht's heute gar nicht so gut“, sagt die 17-Jährige,
„ich hab ein Schleudertrauma!“ Bestürzung, Entsetzen und aufgerissene
Münder bei den Gesprächspartnern. „Hattest du einen Unfall?
Ist das Auto schrott? Sonst viel passiert? Wie konnte das denn passieren?!“
Das Mädchen grinst verlegen. „Ich bin zu viel Karussell gefahren
auf dem Frühlingsfest. Und als ich ausstieg, war mir ganz schwindelig
und schlecht!“
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3.MAI
07
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| Gefühlter
Spätaufsteher |
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Unterhalten sich zwei junge Männer. „Puh, ich bin so müde
heute“, sagt der eine. „Warum? Bist du Frühaufsteher?“, fragt
der andere. „Na ja, eigentlich nicht so. Ich stehe meist so gegen
fünf vor fünf auf...“
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2.MAI
07
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| Asphaltkönigin
Ireen Sheer |
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Sommerwetter und auf den Straßen unterwegs: zig Zweiradfahrer.
Jaulende Roller, knatternde Shopper, hektisch knatternde Motorräder
und röhrende Crossmaschinen, die rasant über den Asphalt
heizen. Dann wird es ruhig. Musik liegt in der Luft – ein Schlager
von Ireen Sheer pirscht sich langsam heran. Texte von Liebe und
Sehnsucht zu einem Lied aus Keyboardklängen und Synthesizer.
Über die Straße tuckert gemächlich eine Honda Goldwing
mit Outdoor-Radio und zwei völlig entspannten 60-plus-Sonntagsausflüglern.
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29.APRIL
07
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| „Auch
für die Uni?“ |
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Innovatives Theaterstück. Innovatives Publikum. Sie, Anfang
20 und schmuck- sowie gedönsbehangen, kommt mit ihrem dicken
Freund. Der (ansonsten wohl Kinogänger ohne Manieren) will
in die letzte Reihe. Mitte. Und streckt dem dazwischensitzenden
Zuschauer erstmal in der Enge der Stuhlreihen seinen Hintern ins
verdutzte Gesicht. Dann kommt sie. War noch hektisch auf Toilette
und setzt sich daneben. Kramt im Programmheft. Holt einen Kuli aus
der Tasche. Und fragt den Sitznachbarn säuselnd: „Ach, schreibst
du auch ’ne Kritik? Auch für die Uni oder was? Vielleicht können
wir uns ja nachher mal austauschen. Ich muss das für die Uni
machen und das ist ja immer besser, wenn man dann auch andere Meinungen
hört und so.“ Sie grinst verlegen. Zieht ihren Westenträger
hoch. Das Licht geht aus, der Spot an. Die Schauspieler kommen,
das Stück beginnt. Sie merkt, dass sie vergessen hat, ihren
Block mitzunehmen. Und holt unterm Stuhl erstmal die 1,5-PET-Literflasche
Wasser hervor, um – in absoluter Stille – genüsslich mehrere
Schlücke stilles Wasser zu trinken und sich unglaublich erwachsen
dabei zu fühlen.
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24.APRIL
07
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| Wilder
Kerl |
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Wie haben wir alle in der Grundschule gelernt: Radfahrer sollten
ab einem Alter von acht Jahren auf der Straße fahren. Nicht
auf dem Bürgersteig. Da hat er - etwa zehn Jahre alt und ein
Mountainbike der Rahmengröße 20 - wohl nicht so ganz
aufgepasst. Fährt unbeirrt auf dem Bürgersteig. Entgegen
dem Straßenverkehr. Quetscht sich durch Passantengrüppchen
hindurch. Ohne Klingel. Ein Mini-Rowdy eben. Rüpelhaft zu benehmen
braucht er sich dazu nicht. Sein T-Shirt sagt alles. „Die Wilden
Kerle“ steht drauf.
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23.APRIL
07
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| Wolf
aus der Wüste |
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Kleiner Junge und mittelgroße Mama gehen über den Flohmarkt.
Da hat er plötzlich etwas entdeckt, das er unbedingt haben
will, schleift Mama an den Tapeziertisch und beginnt zu nölen.
„Was? Ein Fleischwolf“, fragt sie entgeistert. „Was willst du denn
damit?“ Er, euphorisiert grinsend und mit leuchtenden Augen: „Na,
zum Sand dadurch machen...“
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22.APRIL
07
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| Polyphoner
Diskosound |
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Verschlafener als der Kleinstadt-Markt – das geht nicht. Die übergewichtige
Oma in knielangem Rock und rotem Anorak drüber wankt gemächlich
vor sich hin und versperrt den Weg. In jeder Hand einen alten, fleckigen
Jutebeutel. Dann, plötzlich, polyphoner Diskoklang. Lautstark
und hypermodern. Sie bleibt stehen (Was bei ihrem Tempo kaum auffällt)
und greift in den mit Gemüse belagenen Beutel, um ihr neues,
blinkendes und schallendes Handy rauszuziehen...
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20.APRIL
07
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| Sie
hat die Haare schön |
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Schnellen Schrittes geht sie über die Kopfsteinpflaster-Straße.
Bemerkt kaum die zwei älteren Männer, die es sich auf
den kalten Fliesen einer Treppe gemütlich gemacht haben und
wie Statler & Waldorf aus der Muppets Show lautstark ihre Kommentare
abgeben. „Ach, guck mal, die ist ja auch ganz süß“, sagt
der eine. Darauf der andere: „Ja, die hat die Haare schön!“
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17.APRIL
07
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| Auf
ins Bordell-Café |
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1.28 Uhr, Samstagnacht. Eine Taxifahrt durch die Stadt. Plötzlich
ein Funkruf eines Kollegen. „Wenn mich wer sucht, ich bin dann mal
’nen Kaffee trinken – im '101'.“ Der Taxifahrer funkt zurück,
wohl wissend, dass es sich beim „101“ um ein Bordell handelt und
schlemisch grinsend. „Soso... Kaffee trinken nennt man das jetzt.“
Der andere Taxifahrer, entschuldigend: „Du, die haben da echt guten
Kaffee!!!“
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14.APRIL
07
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| Plastikpistolenbande |
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Zerknirschte Gesichter, in Falten gelegte Stirnen, eiskalte Augen,
so stehen die beiden in Jeanshose und T-Shirt an der schattigen
Haustür und drücken permanent auf eine Klingel. In der
Hand halten sie – festumklammert – schwarze Plastikpistolen. Haben
die beiden Fünfjährigen wohl ein schlechtes Gewissen,
weil sie mal wieder zu lange unterwegs waren?!
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3.APRIL
07
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| „Touch
me, Baby“ |
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Wild knutschend steht das junge Paar in der Ecke einer Disko. „Das
müssen wir unbedingt wiederholen“, haucht er ihr zärtlich
ins Ohr. Daraufhin entgegnet sie – nüchtern und dennoch höchstwahrscheinlich
alkoholisiert – „Was, das Bumsen?“
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1.APRIL
07
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| Germany’s
next Topmodel |
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Eine gut besuchte Eisdiele. Menschen sitzen an den Tischen. Reden.
Essen. Schauen flanierenden Passanten nach. Mittendrin steht sie.
In beigefarbener Bügelfaltenhose und Wollpullunder, faltiger
Gesichtshaut und graumeliertem, kurzen Haar, knackige 72 Jahre jung.
In der einen Hand einen runden Taschenspiegel, in der anderen einen
Lippenstift. Zieht sich in aller Seelenruhe die Lippen nach. Macht
einen Kussmund. Klappt den Spiegel zu. Und setzt sich wieder zu
Latte Macchiato und gemischtem Eis mit Sahne auf den gepolsterten
Stuhl.
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29.MÄRZ
07
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| It’s
just porn, mum! |
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„Sie möchten doch sicher ’ne Tüte haben, was?“, fragt
die burschikose Zeitschriftenhändlerin bestimmt den jungen
Mann, der vorm Tresen steht und immer gequälter lächelt.
Drei Zeitschriften hat er an die Kasse gelegt. Ganz obendrauf lag
extra eine „CHIP“, ganz unten ein Blättchen mit vielen nackten
Brüsten und Beinen und Bäuchen und Mündern. Das –
natürlich – beim Eintippen der Preise den Platz wechseln musste.
Und er, verunsichert bis in die Haarspitzen, gräbt die Hände
tiefer in die Taschen der hellen Jeansjacke, rückt am Fielmann-Brillengestell,
während das Blut in seine von urzeitlichen Aknekratern gezeichnete
Gesichtshaut schießt. „Danke“, sagt er, bevor er fluchtartig
den mit Spießbürgern gefüllten Laden verlässt.
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28.MÄRZ
07
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| Fahrrad!!! |
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Frühling, Sonne. Vögel zwitschern, Schmetterlinge flattern.
Und Radfahrer rasen. So auch er, im weißen T-Shirt und in
blauer Jeans. Fahrradklingeln? Hat er nicht, werden ja sowieso immer
geklaut. Also kündigt er sich auf die ganz unkonventionelle
Art an und brüllt permanent „Fahrrad! Fahrrad! Fahrrad! Fahrrad!“
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26.MÄRZ
07
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| Zu
jung? Zu alt? |
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Im alten Konfirmationsanzug und mit einer roten Rose in der Hand
steht er leicht tolpatschig auf der Bühne, um seiner Freundin
einen Heiratsantrag zu machen. Sie wird überraschend dazugerufen
und steht mit vor Schreck zugehaltenem Mund und aufgerissenen Augen
vor ihrem Liebsten. Und der fängt an: „Wir sind jetzt schon
zehn Jahre lang zusammen...“ Und obwohl er in ein Mikro spricht,
gibt es da wieder den ein oder anderen grauhaarigen Zuschauer, der
sein Hörgerät nicht eingeschaltet hat. Denn von hinten
ruft jemand: „Lauter!!“
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23.MÄRZ
07
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| Resonanzgesetze |
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In violettfarbener Wollweste und mit Chakra-Energie-Karten auf dem
Tisch will sie unbedingt in die Zukunft blicken. Als sie ihn - Ende
20, dunkles Haar, helles Sweatshirt und Turnschuhe - dazu auffordert,
eine Karte zu ziehen, schüttelt er nur vehement den Kopf. „Ich
glaube an Zufall“, sagt er. „Das habe ich auch mal getan“, sagt
sie, „aber du wirst merken, dass es mehr gibt als nur Zufall...“
Er schüttelt gelassen den Kopf. Sie setzt noch einen drauf.
„Weißt du, ich kann deine Meinung gut verstehen. Aber akzeptieren
kann ich sie nicht. Was meinst du denn, wozu sind die Resonanzgesetze
da?“ Er: „Hä? Resonanzgesetze? Nie gehört...“
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21.MÄRZ
07
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| Ein
Scheißjob |
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Mit küseligem Haarkommt der freischaffende Bildhauer ins Erzählen:
„Am Freitag habe ich wieder angefangen mit einer neuen Steinskulptur.
Mann, bis gestern hatte ich Muskelkater. Ist schon ein Scheißjob.
Ich hätte mal doch Maler werden sollen...“
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19.MÄRZ
07
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| Eiszeit |
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7
Grad Celsius. Schneegraupel fällt vom grauen Himmel. Es ist
kalt. Eiszeit. Denn die junge Mitarbeiterin des Eiscafés
ist unermüdlich damit beschäftigt, die Außenbestuhlung
mit Kissen zu versehen. Vielleicht wird's heute ja doch noch schönes
Wetter?!
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18.MÄRZ
07
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| „Dies
ist eine Fichte...“ |
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Waldlehrpfad
im Weserbergland. Vor der Fichte steht ein recht neues, hölzernes
Schild, das dem Betrachter Wissenswertes über den Baum nahebringt.
„Dies ist eine Fichte“, steht dort geschrieben. Und weiter: „Sie
ist robust, nur bei Sturm droht Gefahr.“ Dahinter: eine Fichte –
am Boden liegend, entwurzelt und augenscheinlich der Gefahr zum
Opfer gefallen...
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12.MÄRZ
07
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| Fäkalsprache
ist scheiße |
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Im
Theater sitzt sie in der ersten Reihe. Hat sich den Fuß gebrochen
und den Gipsklumpen weit von sich gestreckt. Ihre Bekannten sitzen
eine Reihe hinter ihr, weshalb sie sich umdreht und lautstark den
ganzen Saal unterhält. „Nein, also gegen Fremdwörter hab’
ich wirklich nichts. Nur Fäkalsprache, die find ich scheiße!“
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8.MÄRZ
07
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| Sogar
mit Datum |
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Klausurtermin
in der Uni. Relativ früh gibt ein Rentnerstudent ab: Weißes
Haar, graue Jacke, graue Bügelfaltenhose und schwarzen Monsterlederranzen
in der Hand. „Haben Sie auch auf der letzten Seite unterschrieben?“,
fragen die Aufsicht führenden Professoren. Keine Antwort. „Haben
- Sie - auf - der - letzten - Seite - unterschrieben?“, rufen die
Profs. Er dreht sich überrascht um und antwortet: „Ja, habe
ich. Sogar mit Datum!!!“
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6.MÄRZ
07
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| Durchfall
= Schiss |
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Sie
erklärt – natürlich wieder in wallenden, aschblond Locken
und Wollsocken – die Funktionen des Magen-Darm-Traktes und veranschaulicht
so Sprichwörter wie „Es ist mir auf den Magen geschlagen“.
Als es dann um den Darm geht, wird’s besonders skurril. „Wenn man
Durchfall hat, dann hat man Schiss“, sagt sie in einer Seelenruhe
und knipst dabei ihr künstliches Dauerlächeln an. Aber
natürlich, wozu benutzt man denn sonst dieses Sprichwort?????
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5.MÄRZ
07
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| Angriff
der Killer-Rollatoren |
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Wochenmarkt,
10.24 Uhr. Der größte Andrang herrscht mal wieder am
Fischwagen. In drei Reihen stehen die potenziellen Kunden vor der
Theke, schielen auf Aal, Makrele und Lachs. Nach über zehn
Minuten hat sie es endlich in die erste Reihe geschafft. Aber was
ist das? Ein Tritt in die Ferse? Ein bissiger Hund? Nein, ein voreiliger
Opa kam rasant mit dem Rollator daher. Und brettert – ohne Rücksicht
auf Verluste – in die erste Reihe. Er will ja schließlich
auch noch heute drankommen...
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3.MÄRZ
07
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| Die
Selbstverliebte kapiert’s nicht |
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Sie
ist eine leicht an Selbstüberschätzung leidende Studentin.
Den kleinkarierten Blazer übers Blüschen gezogen. Den
Pelikanfüller aus der Schulzeit reanimiert. Eine Halbliterflasche
„Vittel vital“ auf dem Tisch, an der sie aber nur gelegentlich nippt
und nicht trinkt. Wenn sie ihren rotgetönten Stufenschnitt
nicht selbstverliebt schüttelt oder mit ihren gold-beringten
Fingern die Haare nach hinten streicht, stellt sie eigenartige Fragen,
die selbst der Prof nicht versteht. Und wieder schnellt ihre speckige
Hand nach oben. In einem arroganten Tonfall, der seit Clarissa von
Anstetten ausgestorben ist, sagt sie: „Wenn ich noch etwas bemerken
dürfte: Ich weiß nicht, vielleicht bin ich da auch ein
wenig dissident...“
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2.MÄRZ
07
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| Das
Examen zahlt nicht |
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Er
ist ein leicht verwirrter Professor. Schweift ständig ab. Zieht
sich in einer Tour den Pullover an und wieder aus. Und redet sehr
gerne. Dann liest er aus einem Zeitungsartikel vor: „...den Typus
der alleinerziehenden Frau, die von ihrem Examen kein Geld für
den Unterhalt bekommt...“ Er stutzt. „Examen? ’tschuldigung, Exmann.
Exmann muss es heißen. Wir sind hier ja an der Uni...!“
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2.MÄRZ
07
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| Der
weiße Riese |
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Ihre
Großmutter schiebt sich langsam am Rollator über den
Gehweg. Einige Meter davor tollt eine junge Frau herum. Zu ihren
Füßen: ein kleines weißes Wollknäuel, das
munter springt und herumtobt. Sie streichelt den Welpen, läuft
mit ihm um die Wette. Als sie ein Stück von der Großmutter
entfernt sind, pfeift sie kurz. Der kleine Hund schaut auf. „Na
komm, Herkules, wir gehen zurück zur Oma...“
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19.FEBRUAR
07
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| Der
graue Panther |
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Beim
Arzt. Ein Telefon, das unentwegt klingelt. Vier Sprechstundenhilfen,
die die Patienten in die verschiedenen Zimmer jonglieren und alles
tun, damit es möglichst schnell geht. Ein Wartezimmer voller
röchelnder Patienten aller Altersklassen. Zuletzt kommt eine
ältere Dame herein. Graue Pudel-Lockenfrisur, dunkler Zopf-Strickpulli
und grimmiges Gesicht. Sie setzt sich auf den letzten freien Stuhl
direkt neben der Tür. Keine Minute später geht die Tür
auf und ein Patient wird zur Blutabnahme gerufen. Darauf die ältere
Frau bissig: „Sie denken aber daran, dass ich auch noch dran bin???“
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16.FEBRUAR
07
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| „Liebe
ist...“ |
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In
Jogginghose, grellweißen Turnschuhen und mit Plus-Plastiktüte
in der Hand schlendern die beiden Obdachlosen über die Promenade
zum windgeschützten 1a-Obdachlosentreff. Der eine pfeift, der
andere singt – Nena: „Liebe sucht nicht, Liebe ist... so wie du
bist...“
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9.FEBRUAR
07
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| |
| Eine
unbeholfene Wahrheit |
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„Eine
unbequeme Wahrheit“ mit Al Gore läuft im Kino. Auf der Leinwand:
Smog, Industrieabgase in Hülle und Fülle, Automassen,
Dreck, Atmosphärenkatastrophe. Als Abspann: der Appell an die
Kinobesucher, mitanzukämpfen gegen die Klimaerwärmung
– also Bus, Bahn und Fahrrad fahren, zu Fuß gehen. Auf dem
Nebenplatz: eine neunmalkluge Abiturientin, die hofft, dass es auf
der Abifahrt nach Spanien nicht zu heiß wird – bei den Horrorprognosen.
Und unbeholfen ihre Freunde fragt: „Könnt ihr mir beim Ausparken
helfen? Ich komme da allein niemals raus!“
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8.FEBRUAR
07
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| Rational
genial |
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Der
Plüschdelfin hängt von der Hose – und aus dem Mund sprudeln
wieder esoterische Weisheiten en masse. „Ich konnte nicht richtig
entspannen, weil ich grad Probleme mit meinem Knie habe“, sagt die
35-jährige Mutter. Und Esoterik-Wonderwoman kennt gleich mehrere
Lösungen: „Ein Schmerz im Knie bedeutet, dass du nicht weiterkommst
im Leben. Es gibt etwas, das dich hemmt. Du solltest mal nachschauen,
was die Körperlehre dir sagt, was genau ein Stechen im Knie
zu bedeuten hat! Hast du es schon mit Bachblüten versucht?“
Die Mutter winkt gelassen ab. „Ach was, ich hab mich neulich gestoßen
und eine Meniskuszerrung, das ist bald wieder weg.“
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7.FEBRUAR
07
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| Rollator
her und rein |
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Oma
1 geht zum Bäcker. Draußen steht Oma 2, wartet, schaut
ungeduldig durchs Schaufenster. Dann kommt Oma 1 heraus, ein halbes-Pfund-Brot
in der Hand. Oma 2 reißt erschrocken ob des Gewichts die Augenbrauen
hoch und deutet auf ihren Rollator. „Komm, leg’s hier rein – das
sieht schwer aus!“
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6.FEBRUAR
07
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| Ohren
auf und durch |
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Gerade
hat sie einen Artikel in einem Jugendblatt gelesen - dass Erwachsene
nie richtig zuhören, beklagen sich die Teenies. Und sie: freut
sich, dass sie so anders ist und meist ein offenes Ohr hat. Kurz
darauf begegnet sie einer Kollegin. „Bis nachher dann“, sagt sie.
Und die Kollegin antwortet: „Ja, wünsche ich Ihnen auch!“
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5.FEBRUAR
07
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| |
| Sein
oder anders sein – das ist hier die Frage! |
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In
aller Seelenruhe legt sie die Rosenquarze zwischen Kieselsteine
- Feng Shui, so dass eine angenehme Ruhe versprüht wird. Nimmt
einige Steine noch einmal in die Hand, lächelt dabei euphorisiert,
legt sie wieder hin. Dann streicht sie sich ihr langes graublondes
Haar hinter die Schulter, setzt sich in ihren selbstgestrickten
Wollsocken auf die Decke. An ihrer Hose baumelt ein Plüschdelfin.
Schließlich berichtet sie: „Mutter Erde ist unser aller Mutter.
Also – natürlich auch unsere biologische Mutter, aber eben
auch Mutter Erde. Sie beeinflusst viele von uns. Und wenn sie nicht
so wäre, wie sie ist, dann wäre sie anders.“
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30.JANUAR
07
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| |
| Ringringringringringringringring |
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Ungezähmt schwirren die Klänge vom klagenden Cello durch
den Raum, rollt die abstrakte Künstlerin raschelndes Papier
auf und tanzt dann lustvoll barfuß mit rotlackierten Nägeln
durch die Galerie. Die Besucher fasziniert vom Geschehen, stumm,
staunend. Dann ebbt die Performance ab. Die Cellistin zupft nur
noch ganz leise die Saiten, die Künstlerin sitzt erschöpft
und still am Boden. Und plötzlich: Ringringringring. Der Standard-Klingelton
von Nokia flirrt durch den Raum. Ein Besucher greift sich in die
Jackentasche, dreht sich in aller Seelenruhe um und telefoniert:
„Hallo?“
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26.JANUAR
07
|
| |
| Winterschlussverkauf! |
|
„WSV“,
„Alles muss raus!“ und „Großer Winterschlussverkauf“ steht
in den Geschäften. Im metallisch glänzenden Mülleimer
davor ist es tierisch überfüllt. Bis oben hin quillt ein
Kleidungsstück heraus: ein roter Filzmantel mit weißem
Puschelkragen. Hat es der Weihnachtsmann wieder nicht zum Altkleidercontainer
geschafft?!
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24.JANUAR
07
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| |
| Wintergartenfrühstück |
|
Die
Gruppe so gerade noch schulpflichtiger Jungs in Fellkragenjacken
und stone washed Jeans schlendert in der Schulpause über die
Nebenstraßen. „Ey, es ist so saukalt – und ich hab mich gestern
trotzdem in meinen Cabrio gesetzt“, sagt der eine. Darauf der andere:
„Is’ ja gar nix. Ich hab’ heute morgen im Wintergarten gefrühstück!!!“
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22.JANUAR
07
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| |
| Hustinette |
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Autogenes
Training: Das Räucherstäbchen qualmt, die Entspannungsmusik
plätschert, die esoterische Dozentin mit grauen langen Haaren
erzählt. Leise beginnt die älteste Kursteilnehmerin zu
husten. Röchelt, räuspert sich. Hustet lauter und lauter.
„Liegt’s am Räucherstäbchen?“, fragt die Meisterin der
Ruhe vorsichtig. Als Antwort nur Husten. Und die Teilnehmerin 60
plus geht erstmal raus auf den Flur. Um dort weiter zu husten. 75
Minuten Hustengeräusche später: Die Tür geht auf,
die Frau kommt wieder rein. „Tut mir leid, ich bin erkältet“,
sagt sie. Und der Kurs ist gerade vorbei.
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16.JANUAR
07
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| |
| Pudelmützen-Lovestory |
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Sie
ist schon ’ne Süße: rosafarbene Pudelmütze mit Bommel
obendrauf, gelbe Jacke, blaue Jeans und ein superschickes rotes
Fahrrad, Größe 22, fährt sie – zusammen mit Mama
– über den Fahrradstreifen auf der Straße. Nebenan, auf
dem Bürgersteig, rennt er mit Tempo 13 hinter ihr her: auch
etwa 8 Jahre alt, maskuliner, dunkelblauer Anorak und ein Grinsen,
das Schneemänner zum Schmelzen bringt. Doch sie und ihre Mama
sind schneller. Was ihn aber nicht davon abhält, noch minutenlang
an den Laternenpfahl gelehnt stehen zu bleiben und völlig beduselt,
in Gedanken und Träume versunken, hinterher zu schauen, wie
die rosa Pudelmütze immer kleiner und kleiner wird.
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15.JANUAR
07
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| |
| Schwerer
Verlust |
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Es
stürmt. Und wie der Blitz rast der Radfahrer über die
Brücke. Winddichte Regenjacke, Mütze – da kann man schon
mal Gas geben. Dann fällt ihm etwas herunter. Und plötzlich
– nur einen kleinen Moment später – macht er eine Vollbremsung.
Stellt sein Fahrrad ab. Geht hektisch zurück. Stehen gebliebene
Passanten suchen mit ihren Blicken den Radweg ab. Was hat er nur
so Wichtiges verloren? Doch der Radfahrer greift nach einer Packung
Zigaretten. Beeilt sich, zurück zum Rad zu kommen und fährt
weiter. Bloß keine Zeit verlieren!
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14.JANUAR
07
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| Ein
Dickdarm will die Welt verbessern |
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Die
zwei Mädchen schlendern in der Dämmerung durch die Fußgängerzone.
Die eine mit weißen Turnschuhen und einer blue Jeans, so eng
wie ein ordentlich mit Mett gefüllter Schweinedarm. Im Grunde
meint sie etwas Gutes, leidet aber unglücklicherweise am Piet-Klocke-Syndrom.
„Bloß weil die Geld... ich meine, das kann die doch nicht...!
Und sich dann die teuren Klamotten... also ich mache das doch auch
nicht. Und man kann ja nicht... darauf kommt’s ja nicht...“ - „Jetzt
brüll mal nicht so“, sagt die andere. Darauf der Dickdarm:
„Ja, aber... ich meine, nur weil die Eltern reich... kann sie ja...
also nicht einfach so verurteilen!“ Achso.
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8.JANUAR
07
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| |
| Greased
Lightnin’ |
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Eine
ganze Tube Gel ins dunkle Haar geschmiert und ordentliche Elvis-Tolle
frisiert. Dazu schwarze Lederschuhe, dunkelblaue Denim-Jeans hochgekrempelt
und Lederjacke. In jeder Gesäßtasche ein schwarzes Lederportmonee
(doppelt hält besser!) – und auch das am Gürtel wippende
Handy trägt ’ne schwarze Lederjacke. So läuft er im Winterwind
über die Brücke. Und wippt derart, dass ihn jedes Spielplatzgerät
für seine Geschmeidigkeit beneiden würde. Unser John Travolta-Double.
Nur die untergehakte Olivia Newton-John an seiner Seite wirkt seltsam
verloren in ihrer fliederfarbenen C&A-Jacke. „Look At Me, I’m
Sandra Dee“?!
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6.JANUAR
07
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| Wuchtiger
Schwertkampf |
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Offensichtlich
bewegen sie sich auf der dunklen Seite des Lebens: in der Gothic-Szene.
Schwarze, enge Lackhosen, dunkle Hemden zum Schnüren und am
Mantel Ösen zum Hunde anbinden. Neben den zwei hageren Jungs
steht ein wuchtiges Mädel. Natürlich mit schwarz gefärbten
Haaren. Wild gestikulierend erzählt sie: „Ey, mich haben sieben
Leute mit’m Schwert angegriffen. Aber keiner hatte ’ne Chance!“
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5.JANUAR
07
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| |
| Der
schnelle Tod der guten Vorsätze |
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Gute
Vorsätze und what you make of it. Handy-Telefonat in der H&M-Ecke,
in der es glänzende Jacken aus knisterndem Kunststoff gibt.
„Ja, hör zu. Bei mir war das letztes Jahr total toll. Ich hab
Silvester mit ihm gefeiert, hat mir seine Eltern vorgestellt. Dann
waren wir Skifahren im neuen Jahr und da auch in so ’ner Dorfdisko.
Total uncool alles, aber es war voll schön. Als wir zurück
waren, habe ich mich 2 Tage nicht gemeldet, weil’s mir echt dreckig
ging. Und er? Reagiert einfach nicht. Da waren meine guten Vorsätze
wieder hin und ich habe total viel gefressen. Also nimm dir jetzt
bloß keine Schokolade!!!“
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3.JANUAR
07
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| Ich
find‘ dich echt zum Kotzen |
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Letzte
Gelegenheit des Jahres für einen Besuch in der Disco. 0.40
Uhr: Heftig knutschen die beiden Jugendlichen unter einem blattlosen
Baum an der Straße, sie krallt sich in sein weißes Sweatshirt,
er grabscht ihr an den Hintern. 0.43 Uhr: Er lehnt sich völlig
geschafft über den Zaun, um zu kotzen. Sie nimmt einen ordentlichen
Schluck aus ihrer Beck‘s-Flasche. 0.45 Uhr: Erneuter Anpfiff nach
der Pause – inniges Knutschen und Reste-Essen.
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30.DEZEMBER
06
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| „Haste
mal Feuer?“ |
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Er
ist ein Kleinstadt-Campino: blondiertes, störrisches Haar,
dürrer Knochen mit zerschlissenen Klamotten und Loch im Pulliärmel.
„Haste mal Feuer?“, fragt er und sieht es als Beginn eines langen
und recht eigenwilligen Monologs. Setzt sich neben sie. Und erzählt,
erzählt, erzählt. „Weißte, die Welt ist ein Huhn“,
philosophiert er. Und geht dann – zum Glück! – bald tanzen.
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30.DEZEMBER
06
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| |
| Turmspringen |
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Immer
wieder springen der kleine Junge und seine ältere, aber immer
noch kleine Schwester synchron von Ein-Meter-Brett und Startblock
ins Schwimmbecken. Der Sechsjährige ist völlig begeistert,
als er einmal allein auf dem Ein-Meter-Brett steht. Springt ausgelassen
hoch und runter - und schließlich ins Wasser. Als er auftaucht,
strahlt er übers ganze Gesicht, triumphierend. Euphorisiert
und überglücklich sagt er: „Maren, ich hab doch ‘ne Rolle
gemacht, oder?“ Seine Schwester schüttelt mit dem Kopf. „Nee,
haste nich.“ - „Aber ich hab mich doch echt überschlagen!“
Erneut nur ein Kopfschütteln von der großen Kritikerin,
die sich so wenigstens eine Art bewahrt hat, den Bruder noch unter
Kontrolle zu halten.
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28.DEZEMBER
06
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| |
| „Und
was machst du jetzt so?“ |
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Die
Heidi-Klum-Frisur klebt wie ein Playmobilhaarschnitt auf ihrem Kopf.
„Hiiiiii, wow, ist das schön, dich mal wiederzusehen“, flötet
sie sirenenhell und kreischendlaut. Dann 3 Minuten Smalltalk über
damals, die Schule, die Lehrer, das neue Outfit. Und eine Verabschiedung,
als wüsste sie bescheid, dass sie eben nicht bescheid weiß.
„Ja, dann weiter viel Spaß bei dem, was du so machst!“
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25.DEZEMBER
06
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| Es
begab sich aber zu der Zeit... |
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Christvesper
in der mehr als nur gut besuchten Kirche. Als Unterstützung
hat der Pastor ein Mädel aus der Jugendarbeit dazugeholt -
sie liest die Weihnachtsgeschichte. Und ist ein wenig aufgeregt
unter ihrem Rolli und der weißen Perlenkette: „So machte sich
auch auf Jesus aus Nazareth mit seinem angetrauten .... äh..
Joseph.. also Joseph aus Nazareth mit seiner Frau...“
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24.DEZEMBER
06
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| „In
Würde sterben“ |
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Notaufnahme
im Krankenhaus. Außer einem mit Bakterien versuchten Spender
von stillem Wasser gibt es zur Unterhaltung der Patienten auch leichte
Leselektüre. Auf dem Tisch liegt umgedreht ein „Stern“. Das
Titelthema: „In Würde sterben“.
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20.DEZEMBER
06
|
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| Last
but not least |
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Zwei
Fotografen unterhalten sich bei einem Konzert im Pressegraben. „Und,
was war dein letztes Konzert?“, fragt sie. „Manfred Mann. War ganz
okay“, sagt er, „und deins?“- „Ich war zuletzt bei James Last“,
kichert sie. „Die Hälfte der Konzertbesucher war schwul, der
Rest total skurril.“
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19.DEZEMBER
06
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| Zoten
von der Zulassungsstelle |
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Im
Straßenverkehrsamt ist die Welt noch in Ordnung. Auch morgens
um 5 nach 8, wenn die Neonröhren an der Decke besonders penetrant
blenden. Pling: Schalter 5 öffnet. „Morgen, Herr Hofmann“,
tönt die burschikose Mitarbeiterin mit Pferdeschwanz durch
die ganze Wartehalle. „Wie geht's Ihnen? Was macht der Rücken?“Der
Alte setzt sich unbeholfen mit seinem Stock auf den Amtsstuhl. „Ach,
ich krieg' jetzt Massagen“, erzählt er. „Na, das' ja mal 'ne
gute Nachricht. Ist 'ne feine Sache. Wie gefällt's Ihnen denn?“,
quakt sie aufdringlich. Ertappt grinst der Rentner. „Och joaa..
ganz gut. Besonders die Masseuse“, lächelt er schelmisch -
und fügt hinzu: „Aber erzählen Sie das bloß nicht
meiner Frau!“
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18.DEZEMBER
06
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| Geschenkt! |
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Noch
auf der Suche für ein schönes Geschenk für den besten
Freund oder Papa? Ein ländlicher Coiffeur präsentiert
sich in einem PR-Text weihnachtlich und hat da genau das Richtige:
die Pinselmassage „Angel‘s Touch“. Soll sehr entspannend sein...
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13.DEZEMBER
06
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| Dermatologisch
wertvoll |
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Vier
Frauen, vier Generationen stehen in der Straßenbahn nach Spandau
und unterhalten sich lautstark auf schwäbisch. Über Hausfrauensachen
und Hausmittelchen. „Ich bin ja a Naturschönheit. Creme brauch
isch net. Nehm nur Wasser“, sagt die bebrillte 40-plus-Frau mit
aschblondem Wischmob-Haarschnitt. Ihre Kosmetikerin hat sie schon
gefragt, wie sie ihre Haut so rein und zart bekommt. Und ob das
Wasser denn auch warm ist. „Naa, nur so lauwarm eben.“ Nebenan steht
ein Polizist mit ebenso reiner Haut – und grinst.
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12.DEZEMBER
06
|
| |
| Pädagogisch
wertvoll |
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Familienausflug
am Sonntag in die Dresdner Altstadt. Es dämmert. Und regnet.
In Strömen. Der kleine Junge an Mamas Hand jammert. Mistwetter,
keine Lust zu laufen, alles doof. Dann ihr pädagogisch wertvoller
Ansatz: „Stell Dir doch einfach vor, es wäre Schnee!“
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10.DEZEMBER
06
|
| |
| Schurwollpulli-Gespräche |
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Pause
einer Kulturveranstaltung im dörflichen Fachwerkhaus. Ebenso
trocken wie die rundgebürsteten Kurzhaarfrisuren der grauhaarigen
Frauen ist hier im Diepholzer Land wohl auch der Humor. Der Mittfünfziger
unterhält sich mit der Mittfünfzigerin zwischen den Stuhlreihen.
Nein, nicht über seine Krankheitsgeschichte. Sondern über
die seiner Mutter. „Mensch, dabei war sie doch immer so lebhaft“,
sagt seine Gesprächspartnerin im Schurwollpulli. „Tja“, sagt
er dröge, „und jetzt haben sie ihr ja auch noch das Auge rausgenommen...
Aber wird sie dann schon merken.“
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6.DEZEMBER
06
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| |
| Not
macht erfinderisch |
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Schöne
Scheiße: Da haben die drei Jungs ordentlich gekickt auf dem
Platz vor dem Theater - und jetzt liegt der Fußball auf dem
Dach des Foyers. Blöd. Was nun? Leiter – gibt's nicht. Theater
– ist abgeschlossen. Riesen – gerade nicht unterwegs. Aber da: ein
Fahrradständer. Also drei, zwei eins, 3 Meter langen Fahrradständer
zur Leiter umfunktioniert, ans Theater gestellt, „Stufen“ hochgekraxelt,
aufs Dach geklettert. Ball geholt. So einfach ist das.
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4.DEZEMBER
06
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| Es
geht um die Wurst |
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Sie hat fettige Haare wie ein plumpes Sozialhilfebeispiel aus einer
RTL 2-Reportage. Er hat so viel Zähne im Mund wie ein Fisch im
Maul und trägt seine Armeehose. Zusammen stehen sie im Supermarkt
vor der Fleischtheke. Sie brauchen noch Mettwurst, sagt sie. „Welche
isst du denn immer, wenn du einkaufst?“, fragt sie ihn. Er: „Na diese
Ka..? Kaba...?“ Pause. „Cava....“ Immer noch Pause. Fragende Blicke
der Bedienung. Und des Sozialhilfemodels, das mit seinem Lover minutenlang
auf die im Neonlicht schlummernde Wurst starrt. Ohne Worte. Ratlos.
Suchend. „Cervelatwurst?“, fragt die Fleischereifachverkäuferin
nach einer Weile. Warten. Nachdenken. Dann - endlich - die Lösung:
„Nein, Katenrauchwurst. Wir hätten gern zwei Scheiben.“ |
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1.DEZEMBER
06
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